Die Finanzierung von Social Networks - anhand des Beispiels Facebook
10. August 2010

Damit nutzen nun fast 10% der deutschen Bevölkerung
Facebook. Wenn man bedenkt, dass Facebook kostenlos ist und weltweit etwa eine halben
Milliarden Nutzern zählt, stellt sich schnell die Frage nach der Finanzierung.
Um diesen Aspekt genauer zu untersuchen sollte man sich die Entstehungsgeschichte von Facebook ansehen und dessen Finanzierung. Besonders interessant ist, dass eine ursprünglich nur für amerikanische Studenten konzipiertes Social Network durch Kapitalspritzen zum größten sozialen Netzwerk der Welt ausgedehnt hat, welches das Potential besitzt so gut wie jeden Menschen als User zu gewinnen und damit die restlichen Social Networks aus dem Geschäft drängt.
Denn wo liegt der Sinn in einer bestehenden Mitgliedschaft
bei StudiVZ, SchuelerVZ oder MeinVZ wenn Facebook viel dynamischer und
userfreundlicher ist ? Warum sollte man bei StudiVZ weiterhin Mitglied sein,
wenn Facebook 100 000 Facebook Apps (Spiele, Quiz, Dienstleistungsprogramm) dem
User zu bieten hat.
Man könnte natürlich argumentieren, dass man bei StudiVZ nur unter Studenten
bleiben kann und somit Zielgruppen orientierter Social Networking betreiben
kann – doch seien wir ehrlich – wie viel Prozent bei StudiVZ waren in seinen
beliebten Zeiten wirklich Studenten ?
Social Networks werden es in der Zukunft also schwer haben Profil gegenüber
Facebook zu finden.
Denn was bringen die alten StayFriends Seiten, wenn bei Facebook mit viel
höherer Wahrscheinlichkeit deine alten Schulfreunde anzutreffen sind, da das
Network weitaus bekannter ist und viel mehr Nutzer umfasst ?
Zudem nutzt Facebook mit seinem Marketing genial die Funktionen der
Profilierung für Firmen, Veranstaltungen und Personenseiten aus. So kann
vordergründig jeder von einer Facebookmitgliedschaft profitieren, kostenlos
eine Unternehmesseite erstellen, Fans
einladen und somit für sein Produkt werben. Bei StudiVZ/MeinVZ/SchülerVZ kosten
diese sogenannten Edelprofile Geld. Im Internet kursieren Gerüchte, dass von
bis zu 7000€ pro Edelprofil der Fall ist.
Es ist also abzusehen, dass Facebook aufgrund seiner hohen Userfreundlichkeit,
Dynamik in Form von einer Hauptseite, bei der ständig zu sehen ist, an welche
Aktivitäten teilgenommen wird, ob Fotos hochgeladen und markiert wurden, in Gruppen
eingetreten wird und bei Veranstaltungen gefeiert wird. Und noch so vieles mehr
– ich denke die Vielzahl an Möglichkeiten die einem Facebook bietet ist kaum
aufzuzählen, doch jeder der angemeldet ist wird sie kennen.
Die Frage, die sich nun stellt wie kann Facebook dieser riesige
Marktüberlegenheit finanzieren ?
Warum ist es Facebook möglich soviele Programmierer für eine, für den User so
günstige und dynamische, Plattform zu bezahlen ?
Marc Zuckerberg hält 30% des Facebook Unternehmens und ist damit mit einem
geschätzten Vermögen und 4 Milliarden Dollar der jüngste Milliardär der Welt.
Peter Thiel, welcher ein Startkapital von
100 000 Dollar in das Unternehmen investierte, hält 7% der Unternehmens.
Im Gegensatz dazu hat Microsoft mit seiner Finanzspritze von 240 Mio Dollar nur
noch 1,6 % erhalten.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Facebook
Insgesamt hat Facebook ein Unternehmenskapital von 740 Millionen Dollar in
ihren Finanzierungsrunden erwirtschaften können. Aus dem sie die laufenden
Kosten für die aufwendige Programmierung, sowie die Serverkosten begleichen.
Doch auch ein so wertvolles Unternehmen wie Facebook (aktuell wird nach
Schätzungen ein Marktwert von 1-15 Milliarden Dollar angegeben) muss sich eines
Tages rentieren.
Der Verkauf von erhobenen Nutzerdaten und daraus gewonnenden Erkenntnissen ist
ein schwieriger Geschäftsbereich, grade in Deutschland wo Datenschutz zum Glück
noch groß geschrieben wird.
Um das Unternehmen profitabel zu machen verwendet Facebook eine
Userorientiertes Adwords Programm, welches dem Adwords von Google konkurrenz
machen soll.
In diesem kann Zielgruppe, Alter, Lokalität spezifisch vom Werbebetreibenden
ausgewählt werden und wird dann nach Aufrufen auf die jeweilige Firmenseite
berechnet.
Klingt eigentlich nach einem guten Geschäft, doch Facebook macht es Firmen,
Veranstaltungen, Online-Shop Betreibern viel zu einfach auch ohne das Schalten
von kostenpflichtigen Werbeanzeigen für seine eigene Facebook Gruppe zu werben.
Dafür gibt es verschiedene Faktoren:
1.
Eine Marke, welche eine kostenlose Facebook Fanpage erstellt, wird oftmals ganz
natürliche durch virale Verbreitung der Facebook Nutzer bekannt gemacht.
Falls eine Firma also schon einen großen Markennamen besitzt, passiert es ohne
großen Social Media Marketing Einsatz in Form von Budgetverwendung, dass
Gruppen mit der Marke im Namen gegründet werden. Oftmals werden beliebte und
lustige Werbeslogans als Gruppennamen verwendet, welche sich großer Beliebtheit
erfreuen und viele Fans haben.
Sobald hier die Administration an die Firma selbst übergeben wird kann sie
problemlos auf Kundenwünsche eingehen und die Marke bewerben.
2.
Hat die Firma noch keinen großen Markennamen ist es ihr ebenfalls ohne
Werbebudget für Facebook möglich viele Fans für ihre Fanpage zu sammeln.
Ein Online-Shop betreiber mit zufriedenen Kunden muss nur einen Like-Button zur
Facebook Fanpage setzen und kann damit rechnen, dass zufriedene Kunden ihrer
Fanpage durch „Gefällt mir“ zutreten.
Zudem kann er seine Fanpage bewerben in dem er Rabatte, Give Aways oder
Gutscheine vergibt, wenn Leute seiner Fanpage zutreten oder Slogans wie
„Online-Shop von Max Mustermann günstige Muster Männer zu kaufen“ in ihren
Status schreiben.
Wer jetzt dazu noch regelmäßig den Status seiner Fanpage aktualisiert, neue
Produkte vorstellt und Kundenaktionen zu Ostern oder dem Valentinstag im
Facebookstatus veröffentlich, der kann mit einem funktionierenden Social Media
Marketing rechnen.
3.
Ist eine Marke komplett neu und hat noch niedrige Besucherzahlen auf seiner
Website und möchte mit Facebook sein Unternehmen bewerben, muss er immernoch
nicht für Facebook ein Werbebudget bereitstellen. Er kann entweder selber
seinen Facebook Account mit vielen Freunden benutzen und Freunde einladen und
verfügt bestensfalls sogar noch über einen bei Facebook aktiven Freundeskreis,
der für ihn aus Freundschaft auch seine Freunde einläd oder dafür bezahlen. Bezahlen
muss er jedoch nicht zwingend Facebook. Mittlerweile bieten Online Marketing
Agenturen „Social Media Marketing“ an, d.h. sie sind Dienstleister, die durch
gezieltes Marketing bei Facebook, eine Marke oder eine Webseite promoten. Eine
in diesem Bereich sehr erfolgreiche Firma ist beispielsweise XAVA Media.
Genaueres zu deren Dienstleistungen findet man hier http://www.xava.de/social-media-marketing. Die Erfolge vieler Firmen mit und durch Facebook, sprechen für den Einsatz
von Marketing in sozialen Netzwerken.
Die Schlussfolgerung aus diesen Faktoren ist jedenfalls klar: Facebook wird es
in Zukunft schwer fallen ein geeignetes Finanzierungsmodell für sein
Mammutprojekt zu finden.
Alleine die Sammlung von Userdaten und die benutzerfreundliche Engine ist heute
einige Milliarden Dollar wert. Doch kann dieser Marktwert bestehen, sobald
massiver auf Facebook geworben wird?
Bei den VZ-Netzwerken hat jedenfalls der Rückgang von Neuanmeldungen
eingesetzt, sobald die Werbeeinblendungen erhöht wurden.
Ob dies in Zusammenhang zu stellen ist bleibt fraglich.
Was bleibt ist die Erkenntnis, dass sehr viele Nutzer von Facebook profitieren,
solange ihnen ihr persönlicher Datenschutz weniger wichtig ist. Doch auch Firmen
wie z.B. Online Shop betreiber können heute kostenlos bis sehr kostengünstig
ihre Produkte und Webseite per Facebook bewerben.
Nur Facebook selbst hat es noch nicht geschafft eine effiziente Werbestrategie
zu etablieren.
Wielange das Budget reicht um die Kosten zu decken und ob weiter Prozentteile
der Konzerns zur Finanzierung der Kosten verkauft werden ist eine interessantes
Thema.
Den Verlauf der Dinge zu verfolgen wird zukünftig hoch interessant sein, denn
nicht umsonst probieren Microsoft und Google den Konzern aufzukaufen.
Würde Google und Facebook fusionieren könnten sie damit ein gigantisches
Datennetzwerk etablieren,welches kaum zu kontrollieren ist und mir zumindestens
als viel zu mächtig und damit sehr bedrohlich erscheinen würde.
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